Geschichte der Stadtilmer Feuerwehr

 

Feuerwehrgeschichte ist zugleich Heimatgeschichte. Die Heimatgeschichte ist eng verbunden mit den Zeitgeschehen der damaligen Zeit des Heimatortes und der Feuerwehr. Unterlagen und Schriftstücke von Feuerwehren aus vergangener Zeit sind heute nur noch schwer aufzufinden. Sie waren und sind

überwiegend in Privatbesitz einzelner Personen oder Familien. Auch aus Unwissendheit der Angehörigen sind viele „Zeitzeugen“ vernichtet worden. Urkunden, Rechnungen ließen sich durch die beiden Weltkriege nur schwer aufheben bzw. wurden vernichtet. Auch in die Zeit der „Wende“ 1989/90 wurde vieles, auch bewusst, unwiederbringlich vernichtet oder weggeworfen. Selbst gute alte Feuerwehrstücke wurden in dieser Zeit, besonders von Nov. 1989 bis Juli 1990, regelrecht „verhökert“. Jetzt schaut man doch schon reuevoll den alten Zeitzeugen wie Spritzen, Helme Uniformen Ausrüstungen und Schriftstücke hinterher.

Das sollte auch eine Lehre sein, deshalb der Aufruf an dieser Stelle, heben Sie alle Schriftstücke, Dokumente und Ausrüstung der Feuerwehr auf, oder Sie geben es einer Vertrauensperson (z.B. Bürgermeister) zur Aufbewahrung und Auswertung. Oder in den größeren Gemeinden und Städten nehmen auch die Heimatstuben und Museen feuerwehrtypischen Sachen gern an.

Stolz sind wir als Stadtilmer Freiwillige Feuerwehr auf unsere noch vorhandenen historischen Geräte.

Eine Handdruckspritze aus dem Jahre 1823, eine Abprotzspritze aus dem Jahre 1854, 2 Stck. Ledereimer aus dem Jahre 1657, der Gründerfahne (das Original befindet sich im Stadtilmer Heimatmuseum) und einer mechanischen Schiebeleiter (12m Magirus) aus dem Jahre 1925

Als der Stadtilmer Wilhelm Hartmann (geb. 10.1847 gest.06 1928) 1925 einen Brief zum 60 Jährigen Jubiläum der hiesigen Feuerwehr schrieb, konnte er sich damals nicht denken, dass er ein Stück Zeitgeschichte der Freiwillige Feuerwehr Stadtilm geschrieben hat. Besonders auch als eine sichere Nachweisführung über die Gründung der FREIWILLIGE FEUERWEHR im Oktober 1865 . Er musste es ja wissen, war er doch 22 jährig 1869 in die Freiwillige Feuerwehr Stadtilm eingetreten und 1901 Ehrenmitglied der Feuerwehr geworden. Als Delegierter zum Feuerwehrtag 1901 in Berlin hat er die Freiwillige Feuerwehr Stadtilm vertreten.

Wie schrieb er doch in seinen Brief zum 60 jährigen Jubiläum der Stadtilmer Feuerwehr:

„Im Jahre 1865, im Oktober wurde die Feuerwehr gegründet und zwar auf Veranlassung des Buchbinders Albert Elbel, welcher in Leipzig gearbeitet hatte und die Verhältnisse kannte, hatten sich Mitglieder aus den Turnverein unter Mitwirkung der früheren Herren Atvokaten Pariß und Grosser gefunden, eine Wehr unter den Nahmen „Turnerfeuerwehr“ zu gründen.

Die Gründer waren außer den obigen zwei Herren Albert Eibel – Führer, Albert Müller

und Fritz Dippel – Steiger Albert Saalfelder, Heinrich Dippel, Eduart Schwager …“

Über den ersten Brandeinsatz der Feuerwehr schrieb er folgendes: „Ihre erste Feuerprobe hatte Sie am 1. November 1865 beim damaligen Schlossstallbrand abzulegen. Auf den Feuerruf eilte auch ich zur Brandstätte und siehe, die neue Feuerwehr war als erstes zur Stelle, hatte ihre Aufstellung am damals durchfließenden Bache am Grundstück des jetzigen Sattlermeisters Meinhard genommen. Die Schlauchleitung war durch das damalige Kirsche Grundstück gelegt zum Schutze der Bäcker Brömel und das Kirsche Gebäude. Nun hieß es Wasser pumpen, aber die wenigen Feuerwehrleute erlahmten und es wurde das umstehende Publikum aufgefordert, an der Handdruckspritze mitzudrücken. Das aber Verhöhnt wurde mit dem Ausdruck „was wollt ihr mit eurer Spritzbüchse“. Ohne mich zu rühmen, war ich der erste und dem folgten mehrere meines Alters und halfen drücken. Bis zum Schluss des Brandes, nach Beendigung desselben habe man ein anderes Bild von der Spritzbüchse bekommen, die Tätigkeit derselben war anerkannt….“

Die Spitzbüchse war eine Abprotzspritze von der Firma H. Sorge aus Vieselbach, welche 1854 für

1450 Mark nach Stadtilm gekommen ist und heute noch im historischen Bestand der FREIWILLIGE FEUERWEHR Stadtilm vorhanden.

 

Mit diesem ersten Einsatz und den damaligen geschaffenen Statuten, war der Anfang einer

Freiwilligen Feuerwehr in Stadtilm gemacht worden.

Feuerwehrgeschichte ist über 4000 Jahre alt. Aus dieser Zeit gibt es die älteste ägyptische Feuerlöschordnung. Dazu gibt es noch eine Darstellung einer Brandbekämpfung welche auf einem Alabasterrelief, aus einem Palast bei Ninive, zu finden ist. Selbst Cäsar Augustus unterhielt um die Zeitenwende eine Kaiserliche Feuerwehr von immerhin 7000 Mann mit eigenem Gerät und über die ganze Stadt verteilte Feuerwachen.

Im Mittelalter bekam in unseren Breiten die Bekämpfung von Feuersnot erst Rang, als sich die Städte zu entwickeln begann. Die damalige Brandbekämpfung gehörte zu den Pflichten aller Bürger. Es wurden die ersten Feuerlöschordnungen erlassen.1276 Feuerordnung in Augsburg.

Die erste Feuerordnung aus unserem Thüringer Gebiet (Stadt Erfurt) stammt aus dem Jahre 1351.

Die erste mir bekannte Ordnung über das Verhalten bei Feuer aus Stadtilm stammt aus dem Jahre 1350 (1)Aus „Ilmische Statuten“ der Stadt Ilm 1350 heißt es:


niemand soll mit einem brennenden Wischen in sein haus oder Hofe oder auf die Gasse gehen. Es soll auch niemand kein Licht in seine Hofscheune oder Stallungen anders tragen als in einer Laterne.

Auch niemand soll Feuersdarren, es sei Tag oder Nacht, auch bei Lichte keinen Flachs blauen, brechen oder hecheln.

Wenn ein Feuer entsteht, und es wird ausgerufen, soll aus jedem Haus ein Mensch mit einem Gefäß dorthin laufen, Wasser dazu tragen und sonst ein jeglichen dazu bringen, ein Axt oder Leiter zu holen. Und wer nicht gesehen wurde, dass er dabei gewesen war und er hat nicht zwei Zeugen, der soll der Buße von 5 Schillingen verfallen sein.

 

Aus den „Ilmischen Statuten“ der Stadt Ilm 1596 heißt es:


wird ernstlich verboten, dass niemand bei Nacht oder bei Licht dreschen, Flachs blauen, hecheln oder brechen soll, von den selben im Backofen oder Stuben dürren, bei Strafe eines Guldens, so oft es geschieht.

Es soll jeder Rat eingangs ihres Regiments die Feuerordnung, Inhalts derselben, durch die 4 Männer (Stadtteilverantwortliche -Verfasser) somit ihren Zugeordneten mit aller Notdurft unverzüglich bestellen.

 

 

Die alten Feuerordnungen enthielten Bestimmungen über die Organisation der Helfer und das Eingreifen der Obrigkeit, über die Tätigkeit der Zunftleute- bestimmte Handwerker, (namentlich Bauhandwerker und Schmiede), wurden besonders zum Feuerdienst eingesetzt, über Wasserzufuhr, über Verteilung und Verwendung der Feuergeräte ( lederne Eimer, halb lange- halb kurze Feuerleitern, Feuerhaken, viele Gabeln usw.)

Die Hauptlöschgeräte waren bis in das 16. Jahrhundert hinein lederne Feuereimer und Wasserkufen,

welche von Pferden gezogen und große Wasserfässer für die Handdruckspritze transportierten.

„ … soll ein Fremder, so in das Dorff … ziehet, und sich darinn ankauffet, … zum Nachbar Rechte einen ledernen Eymer abstatten „ (2) Das heißt kurz, jeder in die Stadt neu eingezogener Bürger musste einen ledernen Eimer vorweisen können.

Die moderne „Feuerspritze“ ist 1602 erfunden worden. Feuer innerhalb der Stadtmauern war in den Städten der damaligen Zeit gefürchtet wie Krieg und Wassernot.

Der erste Brand, der uns durch Überlieferung und Aufzeichnung bekannt wurde, war der Brand des Stadtilmer Klosters im Januar 1492. Brände in den Jahren 1606, 1610, 1651und 1669 sind wohl verzeichnet, aber uns keine Einzelheiten bekannt. Die Brände in dieser Zeit hatten keine großen Ausmaße.

Im Jahr 1675 war der Brand schon etwas größer, 23 Häuser und 26 Scheunen und Ställe der Stadt wurden erfasst. Die Schule in der Nähe der Kirche brannte ab.

Die größte Stadtilmer Brandkatastrophe war im Jahre 1780. Nach diesem Brand durften die Häuser der Stadt nur noch mit Ziegel bedeckt, die Feuerstätten ganz aus Stein gebaut werden und bei einem ausgebrochenen Feuer wurde die Bevölkerung durch den eingesetzten Nachtwächter oder durch Alarmschlagen mittels der Kirchenglocken alarmiert.

1823 wurde für Stadtilm die erste Handdruckspritze – JOS BEDUWE AACHEN gekauft und angeliefert. (Spritze befindet sich heute noch im Fundus der Stadtilmer Feuerwehr als historisches Gerät)

 

Bürger aller Schichten in der Stadt gründeten 1838 einen gemeinnützigen Verein mit einem 3 Punkte Programm, u. a. die Gründung einer Pflichtfeuerwehr, worauf männliche Bürger im Alter von 20 bis 50 Jahren, die gesundheitlich in der Lage waren, zum Feuerwehrdienst herangezogen werden konnten.

1855 gab es für die Stadt Stadtilm eine weitere überarbeitete Feuerordnung. Darin wurde vermerkt, dass die Einwohner der Stadt durch Feuerruf zu alarmieren sind:


durch Stürmen der Kirchenglocken

durch auslösen der Alarmkanone auf den Buchberg

Feuerläufer gab es aus der Stadt nach Oberilm, Wüllersleben, Großhettstedt und Nahwinden.

 

Feuerläufer sind unter anderen der Schuhmacher Fritz Fischer sowie der Schneidermeister Aug. Fischer

(Feuerläufer waren schnelle „Läufer“, welche in den genannten Ortschaften die Brandhilfe alarmierten und nach Stadtilm zur Hilfe brachten)


danach die Spritze aus dem Marktspritzenhaus zu zerren ist,

 

durch Mist an geeigneten Stellen den Stadtilmer Stadtbach abzudämmen.

Anschließend ist ein Aufstellen in doppelter Eimerreihen vom Wasser oder Krummen bis zu den Spritzen oder brennenden Gebäuden vorzunehmen, um den Transport des Wassers durch

Ledereimer zu garantieren.


Als Rettungsplätze waren vorgesehen: der Schlossgarten, vor dem schwarzen Tor, der Marktplatz sowie an der Stadtmauer vor dem Kellertor bis zur Kronenecke.

 

Die Feuerordnung von 1855 sah noch eine Schutzmannschaft von 30 Mann vor, wovon 24 mit Bajonettgewehr ausgestattet waren.

Um eine einheitliche Alarmierung innerhalb des Fürstentums Schwarzburg- Rudolstadt durchzuführen, wurde der Stadt Stadtilm vom Fürstlichen Amt Rudolstadt 1802 mitgeteilt, dass zum Lärmschießen bei Feuersbrunst eine Lärmkanone in Rudolstadt abgeholt werden soll. Sie wurde auf den Buchberg im so genannten Kanonenhäuschen – es stand auf der höchsten Erhebung, umgeben mit 7 Pappeln – postiert. 1886 wurde die Kanone durch das Fürstliche Amt wieder eingezogen. Das Häuschen wurde 1888 abgerissen

Im August des Jahres 1868 wurde der Thüringer Feuerwehrverband in Jena gegründet –

die FREIWILLIGE FEUERWEHR Stadtilm trat 1874 dem Feuerwehrverband bei.

1869 war der Hauptmann der Freiwillige Feuerwehr Kam. Karl Dornheim, sein Stellv. Louis Henkler. Schriftführer Alfred Scheidt.

1870 waren 4 Steiger (das sind die jetzigen Gruppenführer) in der Feuerwehr. Die Ausrüstung war weißer Kittel mit Steigergurt und Leine. In der Stadtilmer Feuerwehr waren Kam. mit allen möglichen Berufen vertreten. Allein 8 Schuhmacher, weiterhin Tuchmacher, Maler, Zimmermänner, Kupferschmied und 1 Orgelbauer.

1872 wurden erstmals in der Stadtilmer Freiwillige Feuerwehr Signallisten bestellt und eingesetzt.

Sie blasen mit ihren Horn Alarm bei Bränden in der Stadt oder riefen die Kameraden mittels ihres Hornes zum Dienst oder Übungen an festgelegten Straßenecken. Das war eine Feuerwehrtypische Alarmierung der Kameraden bis in die 30.er Jahre des 20. Jahrhunderts

Im Fürstentum Schwarzburg /Rudolstadt existierten 1878 4 Freiwillige Feuerwehren (Rudolstadt, Stadtilm, Leutenberg und Bad Blankenburg). Stadtilm hatte mit 52 Kam. eine der stärksten Wehren im Fürstentum.

 

Fortsetzung folgt…